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31. Mai 2012  |   

Klinische Studien geben neue Hoffnung

Die Ergebnisse sich sehr gut. Werner Gibbert (links) ist glücklich und dankbar, dass er durch Prof. Naumann an einer klinischen Studie teilnehmen konnte.

 

 

 

 

Werner Gibberts Vater ist 1987, ein halbes Jahr nach der Diagnose „Multiples Myelom“, gestorben. 2007 hat ihn diese Form des Knochenmarkkrebses selber getroffen. „Das hat mich natürlich umgehauen“, erinnert sich der heute 61-jährige aus Wolken. „Aber die Medizin hat in letzten 20 Jahren, besonders bei der Behandlung dieser Erkrankung, große Fortschritte gemacht, da habe ich meine ganze Hoffnung hineingesetzt.“
Im November 2007 unterzog er sich erstmals einer hoch dosierten Chemotherapie in der Universitätsklinik Köln. Die Blut und Knochenmarkwerte hatten sich durch diese Behandlung wieder normalisiert. „Ich wusste allerdings, dass in einigen Jahren wieder eine weitere Therapie erforderlich werden wird, denn eine 100prozentige Heilung ist bei dieser Krankheit für die Mehrzahl der Betroffenen noch nicht möglich.“ In Köln kam Werner Gibbert erstmals mit „Klinischen Studien“ in Berührung. Durch sie hatte der Beamte bei der Telekom die Möglichkeit, ein neues noch nicht zugelassenes Medikament zu erhalten, mit dem der jetzt erreichte Zustand möglichst lange erhalten werden sollte. „Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, hier ein Versuchskaninchen zu sein! Ich habe das als Chance für mich gesehen und war froh an einer Studie teilzunehmen zu können, denn das gibt es bei weitem nicht überall.“


2011 traten bei Werner Gibbert jedoch wieder Beschwerden auf. „Ich habe gemerkt, dass mit mir irgendwas nicht stimmt“. Der Vater von drei Söhnen fuhr zwar immer noch in dreimonatigen Abständen nach Köln zur Kontrolle der Erkrankung, aber diesmal wählte er das Stiftungsklinikum Mittelrhein, um sein Unwohlsein abklären zu lassen. Die Klinik hatte er bei einem Patiententag zum Thema „Multiples Myelom“ kennengelernt. Im dortigen Zentrum für Innere Medizin stellte der Klinikdirektor Prof. Dr. Ralph Naumann dann über 50% krebsbefallene Zellen in seinem Knochenmark fest. „Prof. Naumann hatte mir angeboten, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Ich habe sofort zugesagt, denn meiner Meinung nach profitieren alle von solchen Studien. Nur so kann der medizinische Fortschritt weiter gebracht werden, deshalb mache ich das, selbst wenn mir niemand einen persönlichen Vorteil versprechen kann“. Im Herbst 2011 wurde er in eine internationale Studie aufgenommen, an der nur 800 Patienten teilnehmen. In zwei Gruppen eingeteilt erhält die erste Gruppe die „herkömmlichen“ Medikamente, während die zweite Gruppe zusätzlich das neue, zu testende Medikament Carfilzomib bekommt, wie Werner Gibbert. Niemand kann beeinflussen, in welche der beiden Vergleichsgruppen man aufgenommen wird, „das macht ein Computer, die Ärzte nennen das Randomisierung“, erinnert sich Gibbert.

Seit Oktober 2011 fährt er zweimal pro Woche für eine Infusion in das Stiftungsklinikum Mittelrhein. Nach drei Wochen ist jeweils eine Woche Pause. „Müsste ich nach Köln oder Heidelberg, wäre das alles nicht so einfach, aber ich würde es trotzdem tun. Koblenz ist natürlich ideal für mich.“ Und ideal war auch das Ergebnis. „Das Medikament Carfilzomib hat phänomenal bei Herrn Gibbert angeschlagen“, bestätigt Prof. Naumann hocherfreut. „Schon nach dem ersten Therapiezyklus ist ein Großteil der Krebszellen im Knochenmark verschwunden. Die vorher katastrophalen Blutwerte lagen bereits wieder im Normalbereich.“ Werner Gibbert lächelt: „Mir geht es wieder richtig gut. Insgesamt dauert die Studie 18 Monate. Nach sechs Behandlungszyklen haben sich alle Parameter im Normalbereich stabilisiert, die Erkrankung ist damit praktisch nicht mehr nachweisbar. Am liebsten würde ich die Behandlung nun beenden und in Urlaub fahren, aber natürlich ziehen wir das bis zum Ende durch.“ Prof. Naumann erklärt: „Der Vorteil der klinischen Studien liegt darin, dass die Patienten sonst nicht an diese Wirkstoffe kommen. Wir wissen bereits, dass bei 80 Prozent der Patienten das neue Medikament sehr gut anschlägt. Carfilzomib hat eine gezieltere Wirkung auf die Tumorzellen und dabei weniger Nebenwirkungen als die bisher eingesetzten Medikamente. Haarausfall oder Übelkeit gibt es nicht.“  Rund 11.000 Euro kostet ein Therapiezyklus monatlich. Alle Kosten wie auch die aufwendigen Blutuntersuchungen sowie die Fahrtkosten werden komplett von dem Hersteller des Prüfmedikamentes übernommen.

Klinische Studien in Koblenz

Die Anforderungen an Einrichtungen, solche Studien anbieten zu dürfen, sind sehr hoch. Gesetzgeber und Ethikkommissionen kontrollieren streng. Neben Prof. Dr. Naumann verfügen die Ärzte der Praxisklinik für Hämatologie und Onkologie Koblenz (Prof. Dr. Köppler und Partner) über eine langjährige Erfahrung als Prüfärzte sowie als Leiter klinischer Prüfungen in Studien zur internistischen Onkologie und Hämatologie. „Im Rahmen der intensiven Zusammenarbeit von Stiftungsklinikum und Praxisklinik haben wir die Durchführung von klinischen Studien in beiden Einrichtungen aufeinander abgestimmt, um so mehr klinische Studien für unsere Patienten anbieten zu können“, erklärt Dr. Thomalla von der Praxisklinik. Demnächst startet die Folgestudie mit Carfilzomib, an der Patienten aus beiden Einrichtungen teilnehmen können. Weitere Informationen unter www.stiftungsklinikum.de oder www.onkologie-koblenz.de.

Werner Gibbert ist im Vorstand der Selbsthilfegruppe Multiples Myelom, Mayen Koblenz engagiert und steht unter der Telefonnummer 02607 972840 gerne für ein Gespräch zur Verfügung.

 

3. Patiententag
Am Sonntag, 10. Juni 2012, findet um 11 Uhr der 3. Patiententag zum Thema „Multiples Myelom“ im Stiftungsklinikum Mittelrhein in Koblenz statt. Hier geben renommierte Experten gemeinsam mit Selbsthilfegruppen Betroffenen, Angehörigen und Interessierten einen Überblick über das Krankheitsbild. Infotelefon: 0261 137-3403



Pressekontakt
Jutta Weber 

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