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3. Mai 2012  |   

Wenn der Rücken schmerzt

"Das Kreuz mit dem Kreuz". So abgegriffen diese Formel ist, so aktuell ist sie täglich für die Ärzte und Physiotherapeuten im Stiftungsklinikum Mittelrhein, denn: mehr als 75 % aller Menschen leiden unter Rückenschmerzen.

Foto Kyphoplastie: Durch einen kleinen Zugang kann ein brüchiger Wirbelkörper mit speziellem Knochenzement wieder stabilisiert werden. Foto: Peter Pulkowski

Einfach erscheint die Behandlung eines akuten Rückenschmerzes wenn lokale Auslöser, wie ein Verheben, lokale Unterkühlung, Fehlhaltungen der Wirbelsäule oder banale Infekte im Spiel sind. Therapeutisch kommen hier in der Regel Medikamente, physikalische Maßnahmen und Physiotherapie zur Anwendung. „Der Erfolg stellt sich relativ rasch ein“, erläuterte Dr. Philipp Drees, einer der beiden Chefärzte des Zentrums für Unfallchirurgie und Orthopädie im SKM beim „Medizindialog im Stift“. Was aber geschieht mit den Patienten, die unter chronisch-wiederkehrenden Kreuzschmerzen leiden? Was ist hier zu tun? „Immer wieder kommen diese Patienten zu uns, klagen ihr Leid zum wiederholten Male und bekunden mehr oder weniger offen ihre Unzufriedenheit und fragen sich, warum nach all den Untersuchungen und Behandlungen ihr Problem nicht in den Griff zu kriegen ist.“ Unterschiedliche Ärzte – unterschiedliche Meinungen, das sei beim Thema „Rücken“ normal, so Dr. Drees. Er erklärte den Zuhörern deshalb zuerst, wie die Wirbelsäule aufgebaut und was die Bandscheibe ist. „Stellen Sie sich die Bandscheibe wie einen Radiergummi vor. Feucht und elastisch liegt er zwischen den Wirbelkörpern und fängt die Bewegungen ab.“ Mit zunehmendem Alter wird dieses „Gummi“ bröselig und trocken und verliert seine Pufferfunktion. Die Wirbelkörper reiben aufeinander und das verursacht den Schmerz. Oder die Wirbelkörper quetschen den Kern (das Gummi) nach außen auf die Nerven des Rückenmarks. Der Chefarzt erklärte noch weitere Ursachen, die starke Schmerzen hervorrufen können - viele Möglichkeiten, die die unterschiedlichen Meinungen und unterschiedlichen Therapien begründen.

Mit vorzeitigem Operieren sind die Ärzte im SKM aber sehr vorsichtig. Grundsätzlich werde immer erst konservativ, also ohne Operation behandelt, denn „wir behandeln kein Röntgenbild sondern einen Menschen“, meint Dr. Drees und „wir besprechen uns unter den Kollegen gemeinsam, was die beste Möglichkeit ist“. Im Stiftungsklinikum Mittelrhein arbeiten die Unfallchirurgen, Orthopäden und Neurochirurgen gerade beim Thema „Rücken“ eng zusammen.

Wenn sich die Spezialisten aber auf einen chirurgischen Eingriff geeinigt haben, so gibt es neue, faszinierende Möglichkeiten. Dass sich die Operations­schnitte bei den großen Operationen, z.B. bei vorderer Stabilisierung der Wirbelkörper, von rund 25 cm Länge auf wenige Zentimeter verkleinert haben, ist schon Standard, teilweise wird auch endoskopisch mit noch kleineren Zugangswunden gearbeitet. Wird die moderne „Ballon-Kyphoplastie“ eingesetzt, so liegen die Schnitte durch die Schlüsselloch-Technik sogar nur noch bei 0,5 Zentimeter. Dr. Erol Gercek erklärte die „Kyphoplastie“ anschaulich in Bildern und Worten. „Wenn die Wirbelkörper durch Verschleiß oder Osteoporose brüchig werden, können wir sie wieder stabilisieren und gegebenenfalls aufrichten. Dazu wird ein kleiner Ballon hineingeschoben und aufgeblasen bis ein Hohlraum entsteht. Der Hohlraum wird dann mit einem speziellen Zement gefüllt.“ Ziel dieser Methode ist die Schmerzreduktion. „Wir sind da absolut ehrlich und sagen unseren Patienten, dass eine komplette Schmerzfreiheit nicht immer zu erreichen ist.“  

Dr. Gercek beschrieb auch noch weitere operative Möglichkeiten, die zum Einsatz kommen, wenn durch fort­schreitende Osteoporose oder dem natürlichen Alterungs­prozess immer wieder neue Wirbelkörper­brüche auftreten. 

Was man selber für seinen Rücken tun kann stellte Heike Graef, Physiotherapeutin bei Rehafit, dem ambulanten Rehazentrum des SKM vor. „Die meisten Probleme entstehen durch zu wenig Bewegung. Wir haben jetzt schon viele Kinder und junge Erwachsene mit Rückenschmerzen zur Behandlung hier.“ Zu wenig Bewegung – zu wenig Muskulatur – und dann kommt der Schmerz! Mit Hilfe der Physiotherapie kann die Muskulatur rund um die Wirbelkörper gekräftigt werden. Die Therapeutin gab Tipps für den Alltag und den Beruf, um den Rückenschmerzen vorzubeugen. Treppen steigen, die Sitz- und Standhaltung häufig ändern, kurze Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, das waren Vorschläge, die man problemlos beherzigen kann. Weitere einfache Übungen zur Kräftigung der Muskulatur ließ sie die Zuhörer selbst durchführen. Wenn das alles aber nichts mehr nützt, steht das Rehazentrum und das Stiftungsklinikum Mittelrhein allen „Rückengeplagten“ gerne zur Seite.

 


Pressekontakt
Jutta Weber 

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