Helena Rüegg, eine der wenigen Virtuosinnen auf dem Bandoneon, begeisterte gemeinsam mit dem Bratschist Mischa Pfeiffer mit Stücken von Bach und leidenschaftlichen Tangos bei der 14. Neujahrsmatinee des Stiftungsklinikum Mittelrhein.
25 Jahre Villa Musica Rheinland-Pfalz, 14 Jahre Neujahrsmatinee mit dem Stiftungsklinikum Mittelrhein und ein 100 Jahre altes Instrument: Beeindruckende Zahlen, die zu einem beeindruckenden Erlebnis für die geladenen Gäste des Stiftungsklinikum Mittelrhein bei seiner traditionellen Neujahrsmatinee im Görreshaus beitrugen. Die Matinee ist ein Treffpunkt und ein Dankeschön für diejenigen, die mit dem SKM zusammen arbeiten und ihm verbunden sind. Gespräche zwischen niedergelassene Ärzten und ihren Kollegen aus dem Stiftungsklinikum sind somit einmal außerhalb der täglichen Arbeit bei dem anschließenden Empfang möglich.
Aber zuerst gab es Kunst der Extraklasse. Als „exotische Erscheinung“ beschreibt Prof. Dr. Karl Böhmer, der Geschäftsführer der Villa Musica Rheinland-Pfalz, in seinem Programmvorwort das Duo aus Viola und Bandoneon, das an diesem Tag spielte. Die argentinische Harmonika, die als Instrument von Piazzolla weltberühmt wurde, werde nämlich kaum in der klassischen Musik Europas eingesetzt.
Helena Rüegg, die in Buenos Aires bei Rudolfo Mederos und an der Tango-Abteilung des Rotterdamer Konservatoriums studiert hat, beherrschte ihr 100 Jahre altes Bandoneon meisterhaft. Mischa Pfeiffer, der von 2007 bis 2010 Stipendiat der Villa Musica Rheinland-Pfalz war, stand ihr mit seiner Bratsche nicht nach. Er hat an den Musikhochschulen von Stuttgart, Hamburg und Lübeck studiert. Das Duo spielte von Piazzolla, dem Schöpfer des "Nuevo Tango", zwei seiner berühmtesten Melodien – die verführerisch schönen Titel "Oblivion" und "Libertango". Wie sehr sich Piazzolla von Bach inspirieren ließ, bewiesen die jungen Musiker mit der ersten Gambensonate des Thomaskantors in einer Übertragung für ihre Instrumente sowie mit Einzelsätzen aus Bachschen Suiten. Helena Rüegg ließ in den Tangos leidenschaftlich „die argentinische Seele des Bandoneons zum Publikum sprechen“.