Margit Mäurer hat Prof. Dr. Ralph Naumann viel zu erzählen. Im Stiftungsklinikum Mittelrhein begann ihr erfolgreicher Kampf gegen die Leukämie.
„Ich hab da oben angeklopft – aber nein! Da wollte ich noch nicht hin!“ Margit Mäurer sitzt im Büro von Prof. Naumann, dem Chefarzt der Inneren Medizin im Stiftungsklinikum Mittelrhein, und ist glücklich. Sie erzählt ihre Geschichte. Eine Krankengeschichte, die Mut machen soll und anderen Leukämiepatienten Hoffnung gibt, denn alle 45 Minuten diagnostizieren Mediziner in Deutschland diese schwere Erkrankung, die unbehandelt zum Tod führt.
Es begann im Dezember 2009. Margit Mäurer fühlte sich abgeschlagen und ständig müde, außerdem blieb ihr oft die Luft weg beim Treppensteigen. „Bis dahin war ich immer fit, nie beim Arzt. Jetzt dachte ich, dass ich doch mal gehen sollte.“ Der Hausarzt schickte die Kadenbacherin nach den ersten Tests sofort ins Evang. Stift nach Koblenz. Mit Blutkonserven versorgt fühlte sie sich wieder, als wäre nie etwas gewesen. Dann kam die furchtbare Diagnose, die ihr Leben auf einen Schlag veränderte: Leukämie - Blutkrebs! „Ich konnte das nicht begreifen. Mir ging es doch gut, ich hatte keine Schmerzen. Erst als Prof. Naumann meinte, „wenn Sie jetzt nach Hause gehen, sind Sie in einigen Wochen tot“, da habe ich es verstanden.“
Januar 2010: Sofort wurden im Stiftungsklinikum alle nötigen Vorkehrungen für eine Stammzelltransplantation eingeleitet. Ein Stammzellspender wurde fieberhaft gesucht. Familie, Freunde und Bekannte ließen sich sofort typisieren, um dann eventuell als Spender in Frage zu kommen. Ein Tropfen Blut reicht dafür schon aus, keine große Sache. Leider war jedoch niemand geeignet. Mit einer Stammzelltransplantation kann das Blut mit den befallenen Krebszellen und damit auch das komplette Immunsystem ausgetauscht werden. Der Patient bekommt die Zellen „wie bei einer Transfusion über die Vene zugeführt“, erklärt Prof. Naumann. „Von dort aus finden sie wieder an ihren Platz im Knochenmark, wachsen an, vermehren sich und ersetzen das alte Knochenmark, inklusive der Blutgruppe.“ Auf die Blutgruppe kommt es bei der Spendersuche übrigens nicht an, andere genetische Merkmale sind wichtig, dass Spender und Empfänger füreinander geschaffen sind. Margit Mäurer hat seitdem eine neue Blutgruppe, von 0 hat sie nach A gewechselt.
Im Februar musste sich die 50-Jährige vor der Transplantation einer Chemotherapie unterziehen, damit die Blutkrebszellen abgetötet werden. Sieben Tage dauerte der Prozess. Das hat sie schwer mitgenommen aber „ich habe mich hier immer gut aufgehoben gefühlt.“ Ende März kam Margit Mäurer voller Hoffnung nach Mainz in die Universitätsklinik. Stammzelltransplantationen finden vom Stiftungsklinikum aus immer in enger Kooperation mit Mainz statt. In Koblenz wird die autologe Stammzelltransplantation durchführt, das heißt die Rückgabe eigener Stammzellen nach einer hochdosierten Chemotherapie; in der Universitätsmedizin Mainz die allogene Stammzelltransplantation, das heißt die Gabe von Stammzellen vom Geschwister oder unverwandten Spender. Da eine autologe Transplantation bei Margit Mäurer nicht in Betracht kam, wurde in Koblenz lediglich die Vortherapie durchgeführt und die Spendersuche in Mainz veranlasst, die eigentliche Transplantation fand dann in Mainz statt. „Vor der Transplantation hatte ich gar keine Angst“, erinnert sich Margit. Ich habe immer daran geglaubt, dass alles gut wird und war überglücklich, dass sogar drei Spender bei mir in Frage kamen.“
9. April: Der Tag der Transplantation. „Das war gar nicht schlimm, aber das was danach kam... Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, was man alles aushalten kann.“ Zwei Wochen nach der Übertragung der neuen Zellen fiel sie für drei Wochen ins Koma. „Das Aufwachen war furchtbar. Nicht so wie in den Filmen. Ich war nur kurzzeitig da, konnte nichts hören und auch nicht sprechen.“ Über eine Woche dauerte es, bis Margit Mäurer ihre Sprache zurückfand. Dann verschlechterte sich ihr Zustand wieder. Wasser in der Lunge, innere Blutungen „ich habe alles mitgenommen, was es gab“, schildert sie und muss bei den Erinnerungen sehr mit ihren Gefühlen kämpfen. Es folgte eine schwere Operation und eine Nacht, in der sich ihre Familie auf das Schlimmste einstellen musste. Dann wieder ein Koma. Knapp zwei Monate verbrachte sie auf der Intensivstation. „Einer aus meiner Familie war immer bei mir – jeden Tag! Bewusst habe ich das oft nicht mitbekommen, aber irgendwie gespürt. Das hat mir so geholfen. Ich wollte doch zurück ins Leben, weg von der Intensivstation. Da braucht man so viel Kraft und Lebensmut, das hätte ich alleine nicht geschafft.
Am 11. Juli durfte die gelernte Kosmetikerin endlich nach Hause. „Eine Reha kam für mich nicht in Frage, ich wollte zu meiner Familie.“ Viel Selbstdisziplin gehörte in den letzten Monaten dazu, damit Margit Mäurer wieder so wurde wie sie heute ist. „Ich wollte ins Leben zurück und zwar nicht als halbe Krücke, dafür hätte ich nicht kämpfen müssen“. Es war tatsächlich oft ein Kampf, schildert sie, wenn sie zu müde zum Aufstehen oder zum Anziehen war. „Meine Kinder und mein Mann haben mich immer wieder motiviert und aus der teilweisen Lethargie rausgerissen.“ Heute strahlt sie vor Lebensmut, stößt aber auch öfter im Alltag an ihre Grenzen. „Manchmal ist ihr Elan größer als ihre Möglichkeiten“, bemerkt ihr Mann mit einem kleinen Lächeln. Denn Einschränkungen gibt es doch noch. Ob bei der körperlichen Belastung, beim Essen, der Angst vor jeglicher Ansteckung (ich habe immer Desinfektionstücher dabei) oder der Tatsache, dass sie ihren geliebten Hund nicht mehr streicheln darf – das Immunsystem ist doch noch schwächer als bei einem gesunden Menschen.
„Jetzt geht es mir gut! Ich will mit meiner Geschichte deutlich machen, dass man es schaffen kann und ich will vor allem Menschen dazu bewegen, sich typisieren zu lassen. Niemand braucht Angst vor einer Spende zu haben, dass ist wirklich keine große Sache.“ Margit Mäurers Sohn hat bei seiner Hochzeit im Mai die Kollekte in der Kirche für die vom Stiftungsklinikum veranlassten Typisierungen gespendet. 350 Euro; damit kann viel Blut untersucht werden.
Wie können Sie helfen?
Jeder im Alter zwischen 18 und 55 Jahren, der in guter gesundheitlicher Verfassung ist, kann helfen. Mit Abgabe einer Blutprobe werden die Gewebemerkmale typisiert und der Stammzellspender registriert. Kostenfrei ist dies montags bis freitags in der Onkologischen Tagesklinik im 2. OG des SKM in der Johannes-Müller-Straße 7 in Koblenz möglich. Ansprechpartner ist der Klinikdirektor des Zentrums für Innere Medizin, Prof. Dr. Ralph Naumann, Telefon 0261 137-1941. Im Umkreis von Koblenz ist eine Typisierung in einer solchen ständigen Einrichtung der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erst wieder in Köln oder Kaiserslautern möglich. Seit 1. April 2011 ist das Stiftungsklinikum Mittelrhein offiziell als Transplantationszentrum im Verbund mit der Universitätsmedizin in Mainz anerkannt.