Joachim Meurer aus Rheinböllen war 17 Jahre alt, als der Unfall sein Leben komplett veränderte. Der damalige Bäcker-Lehrling prallte auf dem Weg zur Berufsschule Cochem mit dem Kleinkraftrad in einer gefährlichen Kurve gegen einen Kleintransporter. Die Folge: komplette Querschnittslähmung – Paraplegie. Das war am 30. August 1983.
Heute ist Meurer verheiratet und Vater von zwei Kindern. Sein Alltag ist so „normal“, wie es nach diesem Einschnitt möglich ist. „Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz trägt mit ihren Leistungen und ihrer Unterstützung heute noch einen großen Teil dazu bei, dass ich am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben kann“, sagt der 44-Jährige aus Rheinböllen. Meurer, seit dem Tag des Unfalls auf den Rollstuhl angewiesen, gehört zu den 1,5 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz, die über die Unfallkasse mit Sitz in Andernach gesetzlich unfallversichert sind. Sie ist gewissermaßen die Berufsgenossenschaft für den öffentlichen Dienst. So wie der ehemalige Berufsschüler Joachim Meurer genießen heute rund 850 000 Versicherte den Schutz der Schülerunfallversicherung. „Es hat lange gedauert, bis ich damit klar kam“, sagt Meurer. „Auch bis ich mir eingestehen konnte, dass kein anderer Schuld hat.“
Zehn Monate verbrachte er im Stiftungsklinikum Mittelrhein in Koblenz. Es dauerte, bis er zumindest körperlich auf sein Leben als Rollstuhlfahrer eingestellt war. „Die Mitarbeiter der Unfallkasse standen meinen Eltern von Anfang an beratend zur Seite. Auch als es um den behindertengerechten Hausanbau ging“, sagt der Familienvater. Den Kauf und behindertengerechten Umbau des Pkw sowie die Anschaffung von Rollstühlen unterstützt die Unfallkasse bis heute. Pflegegeld und Rentenzahlungen zählen ebenso zu den Leistungen wie Wohnungshilfe.
„Nachdem ich das Krankenhaus verlassen hatte, fiel ich zunächst in ein tiefes Loch“, erinnert sich Meurer. „Ein Jahr lang lebte ich als arbeitsloser Rollstuhlfahrer in den Tag, bis ich den Ruck bekam, den ich brauchte.“ Den Anstoß gab ihm ein Vereinsmitglied der Rollstuhl-Sportgemeinschaft (RSG) Koblenz. Er spielte Basketball und forderte Meurer auf, ihn zum Training bei der RSG Koblenz zu begleiten. „Da begann ich erstmals wieder, soziale Kontakte zu knüpfen. Seit diesem Tag ging es stetig bergauf.“
Ob ein folgenschwerer Unfall oder eine Gehirnerschütterung nach einem Unfall im Sportunterricht: Die Unfallkasse Rheinland-Pfalz ist zur Stelle, wenn etwas passiert. Die Mitarbeiter der Rehabilitations- und Leistungsabteilung kümmern sich um die Unfallopfer und ihre Angehörigen. Sie helfen auch bei der Wahl der geeigneten Kliniken und der Organisation der Behandlung und Therapien für die Versicherten. So auch bei Joachim Meurer. Gemeinsam mit seiner damaligen Betreuerin fand er einen Arbeitsplatz bei der Kreisverwaltung Simmern. Dort ist er heute in der Zulassungsstelle tätig. Inzwischen kommen die zermürbenden Gedanken immer seltener. „Das ist vorbei, zudem lassen mir meine Kinder kaum Zeit dazu“, lacht er mit Blick auf seine zehnjährigen Zwillingssöhne Johannes und Jakob. Neben Beruf und Hobby ist er Gesprächspartner im Stiftungsklinikum: Er spricht mit Unfallopfern, die ein ähnliches Schicksal ereilt hat „Ich weiß, was es heißt, wenn man die Möglichkeit hat, aufgefangen zu werden.“
Quelle: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Samstag, 14. Mai 2011