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4. Mai 2011  |   

Mönchsgräber in Boppard entdeckt

Kisten voller Material haben die Experten an der Baustelle in Boppard freigelegt. Neben menschlichen Gebeinen befindet sich ein Rosenkranz aus Knochenperlen unter den Fundstücken.  Foto: Suzanne Breitbach

 

Wer in der Bopparder City tiefe Löcher gräbt, hat gute Chancen, auf Überreste der reichen Historie der Stadt zu stoßen. Nicht immer sind es archäologische Sensationen wie das Römerkastell, das Ende der 80er-Jahre bei Erdarbeiten für eine Tiefgarage zutage trat. Jetzt haben Bauarbeiter an der Baustelle zwischen Krankenhaus und Karmelitergebäude – wiederum geht es um eine Tiefgarage – Gebeine aus der Frühen Neuzeit entdeckt. Deswegen muss die Geschichte der Stadt Boppard nicht neu geschrieben werden. Aber der Fund ist immerhin so interessant, dass er die Abteilung Landesarchäologie der Generaldirektion Kulturelles Erbe in Koblenz auf den Plan ruft. 

 

Mittlerweile können die sterblichen Überreste etwa 30 Personen zugeordnet werden. Cliff A. Jost von der Direktion Landesarchäologie vermutet, dass es sich bei dem Fund um Mönchsgräber handelt. Dafür spricht die unmittelbare Nähe zum Karmeliterkloster, das 1262 erstmals urkundlich erwähnt ist. Als einzige Grabbeigabe wurde ein Rosenkranz aus Knochenperlen gefunden. Auch das lässt einen religiösen Hintergrund bei den bestatteten Personen erkennen. Anhand der entdeckten Scherben in den Grabverfüllungen datieren die Archäologen den Friedhof ins 16. oder 17. Jahrhundert.

Ende Februar fiel der Startschuss zu Boppards größter Baustelle seit Menschengedenken. Im Herzen der Stadt modernisiert das Stiftungsklinikum Mittelrhein sein Krankenhaus. Im Zuge der Stadtsanierung bauen Stadt und Klinikum unterhalb des Areals vor dem Krankenhaus und dem Karmelitergebäude, wo die Stadtverwaltung untergebracht ist, gemeinsam eine Tiefgarage. Und weil in der Tiefe verborgene historische Schätze vermutet werden, haben die Bauherren, noch bevor die Bagger anrückten, Experten vom Kampfmittelräumdienst beauftragt, Suchgräben anzulegen und nach archäologischen Auffälligkeiten im Untergrund Ausschau zu halten. Erst nachdem die professionellen Sucher nichts gefunden hatten, starteten die Bauarbeiten.

Zunächst wurde der vor etwa 20 Jahren zwischen Krankenhaus und Seniorenheim errichtete Verbindungstrakt – dort befand sich das Café Cappuccino – dem Erdboden gleichgemacht. Dieser Bau wurde ohne Keller errichtet, sodass an dieser Stelle der Untergrund über Jahrhunderte völlig unberührt blieb. Dort wurden am Freitag bei Baggerarbeiten die ersten Gräber gefunden. „Wir haben sofort die Polizei benachrichtigt“, sagte der Bauleiter des Stiftungsklinikums, Robert Maniel-Hirschböck, gegenüber unserer Zeitung. Die Polizei schaltete die Außenstelle Koblenz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz ein. Am Montag stieß dann Grabungstechniker Achim Schmidt auf weitere Grabstellen, die in mehreren Schichten angelegt sind. Das bedeutet: Dieses Areal wurde über einen längeren Zeitraum als Friedhof benutzt.

Ein Baustopp ist nicht zu befürchten. Die Archäologen dokumentieren die Grabfunde und analysieren mit spezieller Messtechnik die Lage der Gräber, um sie später anhand der Aufzeichnungen am Computer zu rekonstruieren. Die Gebeine werden zudem in Koblenz anthropologisch untersucht. Danach werden sie in der Nähe der Karmeliterkirche – im hinteren Bereich Richtung Krankenhaus – beigesetzt. So lauten die Pläne der Kirchengemeinde St. Severus. Jost und seine Experten sind in Bereitschaft, wenn die Bagger an der eigentlichen Baustelle zwischen Karmelitergebäude und Krankenhaus tiefe Löcher in die Erde schaufeln. „Wir erwarten den ein oder anderen Fund“, sagt der Archäologe. Er weiß um die Chancen, dass im Bopparder Untergrund ganz in der Nähe des Römerkastells und der mittelalterlichen Stadtbefestigung Überreste früherer Zeiten schlummern.

 

Quelle: Rhein-Hunsrück-Zeitung, 4.5.2011


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Jutta Weber 

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