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27. Januar 2011  |   

Osteoporose - wenn der Knochen bricht

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat die Osteoporose in die Liste der zehn wichtigsten Erkrankungen weltweit aufgenommen. In Deutschland betrifft die Erkrankung etwa 25 Prozent der Altersgruppe über 50 Jahre, darunter überwiegend Frauen – Tendenz steigend.

Das Knochenschwund aber kein Schicksal, sondern eine behandelbare Erkrankung ist, verdeutlichte ein Team von Spezialisten beim „Medizindialog im Stift“. Beeindruckende Bilder zeigte dabei PD Dr. Philipp Drees, Klinikdirektor und Chefarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Stiftungsklinikum Mittelrhein. Er veranschaulichte den Zuhörern mit einfachen Worten, wie es zu einem osteoporotischen Knochen kommt und „was wir mit Ihnen machen wenn Sie damit zu uns kommen“. Die Therapieziele seien dabei das Frakturrisiko, also die Möglichkeit des Knochenbruchs, zu senken und eine schnelle und risikoarme Mobilisation zu erreichen. „Gehen Sie bewusst mit Ihrer Krankheit um. Bewegung und Ernährung spielen dabei eine große Rolle. 80 % der Stürze gehen auf einen Abbau der Muskelleistung zurück“, so der Orthopäde. Sportlehrer Viktor Gstrein von Rehafit, der Praxis für Physiotherapie am SKM, gab Tipps und Ratschläge, wie durch Bewegung die Knochenfestigkeit gesteigert, die Muskelfunktion verbessert, Schmerzen reduziert und Stürze vermieden werden können. Kleine Tests um die eigenen Fitness zu überprüfen kamen beim Publikum sehr gut an. Sicher wird der ein oder andere nun morgens auf einem Bein stehend seine Zähneputzen, einen Spaziergang mehr unternehmen oder sich einem Verein oder Gruppen anschließen, in denen Bewegung gemeinsam mehr Spaß macht. Almut Otte-Henn vom Zentrum für Ernährung am SKM verwies darauf, wie wichtig eine calziumreiche Ernährung bei Knochenschwund ist. Ein Erwachsener sollte 1.000 mg Calzium pro Tag zu sich nehmen, ein Osteoporosepatient 1.500 mg. Vorgestellte Lebensmitteltabellen lieferten dabei Zahlen und Ernährungshinweise.

Was passiert aber, wenn der Knochen bricht? Operationsmethoden und worauf es dabei ankommt erläuterte PD Dr. Erol Gercek. Der Unfallchirurg ist mit dem Orthopäden Dr. Drees gemeinsam Klinikdirektor und Chefarzt des Zentrums. „Ältere Patienten mit Frakturen benötigen ein anderes Behandlungsmanagement als jüngere.“ Die Knochen bauen schneller ab und die Weichteile stellen ein großes Problem dar, denn die Haut und das Gewebe um einen Knochen herum sind viel empfindlicher und brüchiger. „Wir müssen biologisch und schonend arbeiten, dabei wenden wir auch neue Verfahren an.“ Ein weiteres Plus: Durch das Zusammenspiel der beiden Ärzte und der breiten Angebotspalette am Stiftungsklinikum kann man bereits bei der Behandlung oder dem stationären Aufenthalt auf die umfassenden Therapiemöglichkeiten aufmerksam machen.

 

Radiofrequenz-Kyphoplastie richtet gebrochene Wirbelkörper wieder auf

Eines der neuen Verfahren ist die Radiofrequenz-Kyphoplastie. Hierbei lassen sich schmerzhafte Wirbelkörperbrüche jetzt noch sicherer, knochenschonend und substanz­erhaltend wieder aufrichten.  Die Chefärzte erzielen gute Erfolge mittels der minimalinva­siven Technik mit Hilfe von Radiofrequenzenergie (den Mikrowellen ähnlich). Bei der neuen Methode geben die beiden Chefärzte einen speziell entwickelten gummiartigen Knochenzement in den porösen Wirbel. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden umschließt die zähe Masse die feinen Wirbelstrukturen, ohne diese dabei zu zerstören. Anschließend härtet die aktivierte Substanz an Ort und Stelle aus. „Dank der Zugabe von Radiofrequenzenergie erreicht der ohnehin zähe Zement seine sehr hohe Viskosität. So lässt sich das Risiko von Zementaustritten in den sensiblen Bereichen minimieren und der Wirbel kann ohne zusätzliche Maßnahmen stabilisiert und gegebenenfalls aufgerichtet werden“, erläutert Orthopäde Dr. Drees, Vorteile für die Patienten liegen in der Regel neben der hohen Sicherheit in einer kurzen Operationsdauer und einer schnellen Rehabilitationszeit.  

 

Gummiartiger Zement bringt Lebensqualität zurück    

Die neue Methode kann unter Lokalanästhesie gegebenenfalls auch ambulant durchgeführt werden und dauert nur etwa 25 Minuten pro Wirbel – knapp die Hälfte der herkömmlichen Operationszeit. Hiervon profitieren besonders ältere Patienten. Über nur einen einzigen kleinen Zugang führt der Mediziner eine schmale Kanüle unter Sichtkontrolle in den behandlungsbedürftigen Wirbelkörper ein (siehe 1. Foto oben). Mit einem feinen Instrument, an dessen Ende sich eine bewegliche Spitze befindet, legt der Arzt gezielt kleine Gänge im porösen Knochen an. Bevor aber der Zement in die betroffene Stelle gelangt, kommt die Radiofrequenzenergie hinzu. „In diesem Moment verändert der Zement seine Eigenschaft und wird zäh wie Harz“, erklärt Unfallchirurg Dr. Gercek. Der gummiartige Knochenzement gelangt kontrolliert und sicher in den vorbereiteten Hohlraum. Von hier aus bahnt sich die Masse ihren Weg durch die feinen Gänge des Knocheninneren und umschließt die löchrige Struktur, ohne diese zu zerstören. Anschließend härtet der Zement aus und dient als aktive Stabilisierung des gebrochenen Wirbelkörpers (siehe 2. Foto). Zurück bleibt ein kleiner Schnitt, der nicht genäht werden muss. „Gewöhnlich kommt es innerhalb kurzer Zeit zu einer  Schmerzlinderung und einer damit verbundenen dauerhaften Steigerung der Lebensqualität“, ergänzt Dr. Drees.

 


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Jutta Weber 

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