Nicht nur den Dimensionen nach ist es sicherlich eines seiner größten Werke, das der Glasmaler Markus Lüpertz bislang geschaffen hat: In der neuen Kapelle des Stiftungsklinikums Mittelrhein in Koblenz teilt der heilige St. Martin nun auf einer Fläche von vier mal acht Metern seinen Mantel. Dass das Bildnis nicht nur riesig, sondern ihm "einfach nur sehr gut gelungen ist", stellte der Künstler selbst fest.
KOBLENZ. "Es ist immer schwer, sich selbst zu loben", meinte Markus Lüpertz am Freitagabend bei der Einsegnung der von ihm gestalteten Bleiverglasung in der neuen Kapelle des Evangelischen Stifts in Koblenz. Diese ungewohnte Bescheidenheit des "Malerfürsten" sollte aber nicht lange Bestand haben. "Koblenz hat verdammt Glück gehabt, so ein Fenster zu kriegen", fügte der Künstler nämlich umgehend hinzu - ganz im Stile seiner oft doch schon ein wenig selbstgefälligen öffentlichen Auftritte und seiner egozentrischen Rhetorik. Doch wie so oft in der Bild- und Schaffenskraft Lüpertz' ist auch im Falle des Heiligen Sankt Martin, den der Künstler in Koblenz nun auf einer vier mal acht Meter großen Glasfläche seinen Mantel teilen lässt, das Eigenlob alles andere als eine Anmaßung.
Zum einen gilt Lüpertz nun einmal als der bedeutendste Künstler und Glasmaler der Gegenwart. Und dass er sein Handwerk versteht, hat er nicht nur in der Dominikanerkirche Sankt Andreas zu Köln bewiesen, in der sich Lüpertz mit seinen Glasfenstern selbst ein Denkmal gesetzt hat. Nun darf sich auch Koblenz glücklich schätzen, einen echten Lüpertz zu besitzen. Und dann noch einen, der "ihm einfach nur sehr gut gelungen ist", wie der Künstler in seiner Betrachtung hinterherschob.
Dies hatte vorab bereits Dr. Hans D. Fricke, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung Evangelisches Stift St. Martin Koblenz festgestellt. Die Stiftung fungierte als Bauherr des außergewöhnlichen Bauprojektes von Kapelle und Glasfenster. Fricke bezeichnete Lüpertz' Werk als "Komplexität und Virtuosität" aus Glas und zeigte sich tief beeindruckt von der "fast schon martialischen" St. Martin-Erscheinung, die der Künstler geschaffen habe. Dass das Fenster nicht bereits zur Einweihung der Kapelle am St. Martintag 2009 fertiggestellt gewesen sei, könne man nun verschmerzen, fügte Fricke hinzu. Denn seine volle Wirkung erziele das Bild ohnehin erst durch die Lichtstrahlen der Abendsonne, die an einem solchen Frühlingsabend nun einmal viel intensiver ihre Leuchtkraft entfalteten. Seinen Dank richtete Fricke zudem an den Förderverein Stiftungsklinikum Mittelrhein, der das Kapellenprojekt bislang mit 291 501 Euro an Spendengeldern unterstützt hat.
Nach der Einsegnung des Fensters durch die beiden Geistlichen und Krankenhauspfarrer Volker Wimmer und dessen katholischen Kollegen Martin Saurbier beglückwünschte auch der Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters das Stiftungsklinikum zu dem neuen Kunstwerk. "Nomen est Omen", erklärte Peters. Der Name und auch das Glasbildnis des heiligen Martin seien hier Zeichen für das, was auch im Inneren des Krankenhauses geschehe, nämlich dass Patienten in christlichem Vertrauen auf Hilfe hoffen.
Dafür stehe das Bildnis des heiligen Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Diesem, so hatte Lüpertz in seiner Beschreibung des Kunstwerks gesagt, begegnet der Kapellenbesucher in Koblenz nun sehr direkt, ob des gewaltigen Ausmaßes und und der bis zum Boden reichenden Größe des Glasfensters. Dass Lüpertz trotz dieser Dimension auf ein Pferd, auf dem der Heilige ansonsten gern dargestellt wird, verzichtet hat, hat indes seinen Grund. "Ich wollte, dass er vom Pferd absteigt, dass er zu dem Bettler hinuntersteigt und ihm dort den Mantel überreicht. Das ist einfach fairer", erklärte Lüpertz. Die Umsetzung des Motivs beschreibt Lüpertz selbst als "formal und ornamental". Zentral hat er den Heiligen Martin gesetzt, umrandet von hinwegwehenden Schneeflocken und Eiskristallen, die den bitterkalten Wintertag lebendig werden lassen, an dem der römische Soldat der Legende nach einst seinen Umhang mit dem Bettler geteilt haben soll.
Annette Hoppen