Kaum einer bezweifelt die Notwendigkeit, hilfebedürftigen Menschen durch eine Organtransplantation neue Lebensperspektiven zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist aber die Spendenbereitschaft in Deutschland äußerst gering. Hier scheint es ein ethisch-moralisches Tabu zu geben. Um Vorurteile abzubauen und umfassend über Organspende zu informieren, referierte Ulf-Jürgen Komp, Oberarzt der Klinik für Anästhesie, im Stiftungsklinikum Mittelrhein (SKM).
Auf dem Gebiet der Organspende ist Komp ausgewiesener Fachmann, denn er ist im SKM der Koordinator zur Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die bundesweit Organspenden und -transplantationen organisiert und koordiniert. Der Oberarzt hat auch maßgeblichen Anteil daran, dass das SKM zu den führenden Organspendekliniken in Rheinland-Pfalz gehört.
In Deutschland warteten jährlich ca. 12 000 Patienten auf ein neues Organ, Niere, Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse oder Hornhaut für das Auge. Nur etwa 4700 Organe seien jährlich verfügbar, die Wartezeiten betragen oft Jahre. Es komme jährlich zu schätzungsweise ca. 1000 Todesfällen, da kein Spender vorhanden sei, sagte Komp. Wer sich entschlossen habe, als Spender nach dem Ableben zur Verfügung zu stehen, brauche nur einen Ausweis auszufüllen, in dem nur abgefragt werde, welche Organe man spenden möchte, so Komp.
Den Ausweis gibt's bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln (www.bzga.de/infomaterialien/organspendeausweis). "Verstirbt ein Patient im Stiftungsklinikum, und verfügt er nicht über einen Spendeausweis, werden die Angehörigen befragt, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Hilfreich ist es dann, wenn schon vorher im Familienkreis einmal über das Thema gesprochen wurde", so Komp. Komme es zu einer Organentnahme, sei der Hirntod des Patienten einwandfrei festzustellen. Zwei erfahrene Intensivmediziner müssten unabhängig voneinander nach sehr umfangreichen Untersuchungen den Hirntod diagnostizieren. Dies sei dann der Fall, wenn eine Durchblutung des Gehirns nicht mehr stattfinde.
Die Organentnahme erfolge durch ein externes Team. Eine zentrale Vermittlungsstelle im holländischen Leiden entscheide nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht, welchem Patienten das entnommene Organ transplantiert werde. Durch solche Sicherungen sei ein Organhandel in Westeuropa praktisch ausgeschlossen. Auch sogenannte Lebendspenden seien möglich. Hier könnten Verwandte oder enge Freunde eine Niere oder einen Teil ihrer Leber an einen Patienten aus ihrem Umfeld spenden. Um auch hier kriminellen Manipulationen vorzubeugen, müsse eine unabhängige Expertenkommission zustimmen, so Komp.