Angelika Wangard wartet auf die Visite im Stiftungsklinikum Mittelrhein (SKM). Es soll auf absehbare Zeit die letzte sein. Nachdem bei ihr im Sommer eine Krebserkrankung des Knochenmarks diagnostiziert worden war, hat sich das Leben der Koblenzerin drastisch verändert. Aber jetzt darf sie für längere Zeit wieder auf ein normales Leben hoffen, denn ihr wurden Blutstammzellen transplantiert - in der ersten Transplantation dieser Art am SKM. Bei einer Routineuntersuchung werden im Sommer Auffälligkeiten in Angelika Wangards Blutbild festgestellt. "Bis dahin hatte ich keinerlei Beschwerden oder Anzeichen, dass mit meinem Blut etwas nicht in Ordnung sein könnte", sagt die 55-Jährige.
Ihr Hausarzt schickt sie ins Stiftungsklinikum, um der Sache auf den Grund zu gehen. Eine Knochenmarkpunktion bringt die niederschmetternde Diagnose: multiples Myelom, auch Plasmozytom genannt - ein bösartiger Tumor. "Man kann sich gar nicht vorstellen, was in so einem Moment in einem vorgeht", erzählt Wangard.
Professor Ralph Naumann, Klinikdirektor des Zentrums für Innere Medizin am SKM, erläutert ihr die Therapiechancen und die Möglichkeit einer Stammzelltransplantation. Damit nimmt er ihr einen großen Teil der Angst. Auf eine Chemotherapie soll eine Stammzelltransplantation folgen. Da Chemotherapien das eigene blutbildende System sehr schädigen, kann danach mittels zuvor gesammelter eigener Stammzellen die Knochenmarkfunktion schneller wiederhergestellt werden. Die in den 1970er-Jahren eingeführte Behandlung erhöht so wesentlich die Lebenserwartung.
Für Wangard beginnt die Zeit des Hoffens. In einer Immuntherapie bekommt sie Substanzen verabreicht, die die Tumorzellen in ihrem Knochenmark vernichten sollen. "Sie hat auf diese Therapie sehr gut angesprochen", berichtet Naumann. "Damit war eine gute Voraussetzung für das Sammeln der eigenen Blutstammzellen gegeben, die sie nach einer folgenden Hochdosis Chemotherapie zurückerhalten sollte." Ende November kommt Angelika Wangard stationär ins SKM. Nach einer zweitägigen Hochdosis-Chemotherapie werden ihre Blutstammzellen, die ihr vorher abgenommen und bei minus 140 Grad Celsius eingefroren worden waren, über die Vene wieder zugeführt. Von dort aus finden sie ihren Platz im Knochenmark.
Dreieinhalb Wochen dauert der Klinikaufenthalt, der unter strenger Isolation stattfindet. "Nach zwei Wochen waren die Zellen wieder angewachsen, erkennbar an der rasch steigenden Zahl weißer Blutkörperchen", berichtet Naumann zufrieden. "Die Therapie ist damit beendet. Wir hoffen jetzt, dass die Krankheit über lange Zeit zurückgedrängt werden kann." Auch Angelika Wangard ist glücklich. Die Weihnachtsfeiertage konnte sie im Kreis ihrer Freunde verbringen.