


Kaum einer bezweifelt die Notwendigkeit, hilfebedürftigten Menschen durch eine Organtransplantation neue Lebensperspektiven zu eröffnen; auf der anderen Seite ist aber die Spendenbereitschaft in Deutschland äußerst gering. Hier scheint es ein ethisch-moralisches Tabu zu geben und Horrorgeschichten über Organhandel und gewaltsame Organentnahmen tun sicher ein übriges.
Ulf-Jürgen Komp, Oberarzt der Klinik fürAnästhesie, ist auf dem Gebiet der Organspende er ausgewiesener Fachmann. Er ist im SKM der Koordinator zur Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die bundesweit Organspenden und –transplantationen organisiert und koordiniert. Unser Oberarzt Ulf-Jürgen Komp hat darüber hinaus maßgeblichen Anteil daran, dass das Stiftungsklinikum Mittelrhein zu den führenden Organspende-Kliniken in Rheinland-Pfalz gehört.
In Deutschland warten 12.000 Patienten auf ein neues Organ, eine Niere, eine Leber, ein Herz, eine Bauchspeicheldrüse, eine Hornhaut für das Auge. Nur etwa 4.700 Organe sind jährlich verfügbar, die Wartezeiten dauern oft Jahre und man schätzt, dass es jährlich zu etwa 1.000 Todesfällen kommt, weil kein Spender vorhanden ist. Wenn man sich entschlossen hat, als Spender nach dem Ableben zur Verfügung zu stehen, ist der Weg einfach. Man braucht nur einen Ausweis auszufüllen, in dem lediglich abgefragt wird, welche Organe man spenden möchte. Den Ausweis gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln.
Verstirbt ein Patient im Stiftungsklinikum und verfügt er nicht über einen Spenderausweis, werden die Angehörigen befragt, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Hilfreich ist es, wenn schon vorher im Familienkreis einmal über das Thema gesprochen wurde. Kommt es zu einer Organentnahme, ist die wichtigste Voraussetzung, dass der Hirntod des Patienten einwandfrei festgestellt wurde. Das Transplantationsgesetz von 1997 und ein detailliertes medizinisches Regelwerk bilden die Grundlage. Zwei erfahrene Intensivmediziner müssen unabhängig voneinander nach einem genauen Protokoll und sehr umfangreichen Untersuchungen den Hirntod diagnostizieren. Dies ist dann der Fall, wenn eine Durchblutung des Gehirns nicht mehr stattfindet. Die Organentnahme erfolgt durch ein externes Team. Eine zentrale Vermittlungsstelle im holländischen Leiden entscheidet nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht, welchem Patienten das entnommene Organ transplantiert wird. Durch solche Sicherungsmaßnahmen ist ein Organhandel in Westeuropa praktisch ausgeschlossen.
Auch sogenannte Lebendspenden sind möglich. Hier können Verwandte oder enge Freunde eine Niere oder einen Teil ihrer Leber an einen Patienten aus ihrem Umfeld spenden. Um auch hier kriminellen Manipulationen vorzubeugen, muss eine unabhängige Expertenkommission zustimmen.